Flashback 1.2: Meine Abiturprüfungen

meineabiturprufungen

Meine Leistungskurse waren ein Desaster: Meine Liebe zur französischen Sprache wurde von meiner neuen Lehrerin mit Füßen getreten, da sie mir immer wieder mitteilte, dass ich nicht gut genug war, um eine gute Note zu erhalten. Meine Motivation sank von Stunde zu Stunde und die Lehrerin und ich kamen immer schlechter miteinander aus. Letztendlich habe ich mich mit acht Punkten (was der Note 3 entspricht) durch den Leistungskurs gearbeitet. Seit meinem Abitur meide ich die französische Sprache immer mehr. Natürlich kann ich nicht ausschließlich einen Lehrer dafür verantwortlich machen, aber ich kann ganz sicher sagen, dass diese Lehrerin mir die Begeisterung nach und nach ausgetrieben hat, was ich im Nachhinein sehr schade finde.

 

Im Leistungskurs Mathe lief es furchtbar. Das erste Halbjahr in der zwölften Klasse absolvierte ich mit vier Punkten, was leider nicht den ausreichenden fünf Punkten entsprach und so wurde dieser Kurs für mich zur Hölle. Wir waren 15 Schüler, darunter fünf „Überflieger“, die alles wussten und konnten und stets ihre 15 Punkte kassierten. Die restlichen zehn Schüler waren Durchschnitt und mussten hart arbeiten um zu bestehen. Ich zählte also zur zweiten Gruppe und versuchte irgendwie zu überleben. Ich hatte Bauchschmerzen im Unterricht, versuchte mich zu beteiligen und weiß noch heute, wie damals mein Herzschlag sich verstärkte als ich den Arm hob, um etwas zu sagen. Groß war die Angst etwas Falsches zu äußern. Noch größer die Angst zu wenig Punkte zu erreichen. Der Lehrer war einfach ein schlechter Pädagoge, der sich nur an den Besten orientierte ohne Rücksicht auf die Schwachen. Er teilte uns regelmäßig mit, dass es für ihn unverständlich sei, wieso wir diesen Kurs wählten. Es war ein Trauerspiel. Wenn er mit seinem auf- und abwärtswippendem Gang wie auf einem Schiff bei Wellengang ins Klassenzimmer gelaufen kam, wollte ich schreiend wegrennen, doch ich konnte nicht. Im zweiten Halbjahr erreichte ich sechs Punkte, was eine große Erleichterung war, denn ich durfte mir nun nur noch einen Kurs unter fünf Punkten erlauben, sonst wäre ich nicht zur Abiturprüfung zugelassen worden. Die Folter nahm aber kein Ende. Ich hatte Nachhilfe, Lerngruppen und lernte zeitweise nichts anderes außer Mathe. Alle anderen Fächer mussten zurück stecken, damit ich in meinem Leistungskurs mitkommen konnte. Zeitweise empfand ich für diesen Lehrer nur Hass.

In meiner Abiturprüfung habe ich Ostereier integriert, stochastische Aufgaben gelöst und Vektoren benannt. Ich erinnere mich sonst nur noch an meine sieben Punkte, die mir wie ein kleines Wunder erschienen und dass ich wusste, dass ich diesen Menschen, nie wieder sehen will – geschweige denn, so werden wollte.

 

Mir war damals schon klar, dass ich als Lehrer versuchen würde, die Schüler als Individuen wahrzunehmen und je nach ihren Bedürfnissen mit ihnen zu arbeiten und sie dementsprechend zu fördern sowie zu fordern. Ich würde meinen Unterricht nicht nach den Besten orientieren und die Schwachen außer Acht lassen, sondern die Klasse als Ganzes und als Zusammensetzung von unterschiedlichen Charakteren sehen und versuchen dies bei meiner Unterrichtsgestaltung möglichst zu berücksichtigen. Bereits zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass ich als Lehrer meinen Schwerpunkt bei der pädagogischen Arbeit sehen würde und nicht im ausschließlichen Lehren von Fächern. Ich wollte Kinder und Jugendliche als Klassenlehrer auf ihrem Weg begleiten und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Daher erschien mir die Arbeit als Lehrer an einem Gymnasium mit zwei Unterrichtsfächern als Fachlehrer unpassend für mich. Ich favorisierte daher schon zu diesem Zeitpunkt die Lehrtätigkeit an einer Grundschule.

(Der letzte Absatz wurde als Nachtrag am 28.10.2016 hinzugefügt)

 

Dann kamen die mündlichen Prüfungsfächer. Im praktischen Teil in Sport bekam ich für mein Badmintonspiel eine 1- und im mündlichen Teil eine 3+, sodass ich insgesamt meine übliche Note 2 in diesem Fach erwarb.

Die letzte Prüfung hatte ich im Fach Deutsch. Wie am Vortag hatte ich eine zwanzigminütige Vorbereitungszeit und dann eine gleichlange Prüfungszeit. Da ich bei der Sportprüfung ein Zeitproblem in der Vorbereitung hatte, beschloss ich in Deutsch schneller zu arbeiten. Ich schaute mir die Prüfungsfragen an: „Faust“, die „Gretchenfrage“. „Super“, dachte ich, „das kenne ich“. Und so begann ich sofort die Fragen zu beantworten. Am Ende der 20 Minuten hatte ich zu jeder Frage einige Stichpunkte, war mir aber nicht besonders sicher, ob diese mir gleich weiterhelfen würden. Als ich vor der Prüfungskommission saß und anfing zu sprechen, wurde ich schnell unterbrochen: „Können Sie das bitte am Text belegen?“ Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war völlig überfordert und schockiert über mich selbst, wieso ich denn keine Textstellen unterstrichen hatte, wie so oft im Vorfeld geübt. Ich wusste zwar, dass die Vorbereitungszeit knapp sei, aber ich hätte doch den Text lesen müssen. Also fing ich an während der Prüfung den Textauszug aus Faust zu lesen und nach Belegen für meine Äußerungen zu suchen. Alle meine zuvor gesammelten Gedanken waren durcheinander und ich stotterte 20 Minuten wirres Zeug und hoffte nur, dass es bald ein Ende nahm. Die Prüfung war eine Katastrophe und ich erhielt vier Punkte.

 

Trotz allem hatte ich dann mein Abitur bestanden und hielt nach der akademischen Feier mein Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife in der Hand. Ich konnte es kaum glauben, dass nach dreizehn Jahren meine Schulzeit nun vorbei war und ich trotz der vielen Steine auf meinem Weg das Ziel des Schulabschlusses erreicht hatte.


14 Gedanken zu “Flashback 1.2: Meine Abiturprüfungen

  1. Hallo Herr Planet, nicht bös gemeint, frag ich mich und dich, zu welchem Zweck du das jetzt niederschreibst und veröffentlichst. Was möchtest du damit erreichen – auch bei den Lesern?

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    1. Hallo Herr Planet, ich bin hier völlig bei Cubi und frage mich, was du bezweckst. Dich „kennenlernen“ schreibst du. Nun, ich gebe dir gerne mal meinen Eindruck wieder, der sich seit Entdeckung deines Blogs bei mir entwickelt hat: Du wirkst auf mich wie ein sehr unreflektierter Schüler, der Ausreden für seine eigene Mittelmäßigkeit sucht und die Schuld gerne bei anderen findet. Du schreibst es im vorherigen Beitrag selbst: die Pubertät führte zum Leistungseinbruch. Aber weißt du, da mussten wir alle durch.

      Ich war selbst wahrlich kein Überflieger und hatte gerade in Mathe auch mein Päckchen zu tragen. Gerade weil ich auch bis zum Schluss Nachhilfe darin nahm, wäre ich nie auf die Idee gekommen, meine Lehrerin für meine Note verantwortlich zu machen: mein Nachhilfelehrer hat’s ja auch bloß leidlich geschafft, mir den Stoff zu vermitteln, und der war sehr erfahren, geduldig und nett.

      Ich wünsche dir, dass die Zukunft dir etwas mehr Abstand zu deiner Vergangenheit bringt und du besser reflektieren kannst. Auch das ist wichtiger Teil der Profession.

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      1. Hallo immergut,
        deine Bewertung meines Beitrags hat mich irritiert. Ich denk, wir sollten uns durchaus als Lehrer auch eingestehen, dass Sympathie und Antipathie sowie eigene Wertevorstellungen auf den Unterrricht und damit auf die Bewertung auswirken können. Ich habe das in meiner Vergangenheit erlebt, reflektiert und versuche dies nun in meiner eigenen Unterrichtspraxis zu berücksichtigen.
        LG Herr Planet
        PS: Natürlich hatte ich auch einige gute Lehrer, das soll noch kurz erwähnt werden 😉

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  2. Hallo Herr Planet,
    ich finde deine Schilderungen gut. Man fühlt sich doch in Teilen sehr an die eigene Schulzeit erinnert und reflektiert dann doch sein eigenes Lehrerverhalten – mir geht es zumindest so.
    Daher vielen Dank!
    Nicole

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  3. Hm, ich erfahre durch deine Schilderungen aus Pubertät und Studium nichts über dich außer, dass scheinbar alle Lehrer Sch … waren, nur über die schreibst du, die anderen sind keine Zeile wert, doch, in deinem späteren Kommentar auf immergut. Reflektieren oder aus dem Erleben Schlüsse ziehen, wie Nicole schreibt, erfolgt ja gar nicht.
    Also, ich erkenne meine Schulzeit darin nicht wieder, ich erfahre auch nicht, ob deine Schilderungen mit deinem jetzigen Beruf irgendetwas zu tun haben, ich kann ganz viel denken aber kennenlernen tue ich dich so nicht.
    Sorry, für mich tröten deine Schilderungen einfach nur in das Horn, dass so viele Presseleute und Eltern in Bezug auf Schule immer hören lassen … Das finde ich von Lehrerseite sehr schade. Es fehlt einfach das, was du nun daraus machen willst. Eben Reflexion und Schlussfolgern und Handeln in deinen Beiträgen.

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  4. Lieber Herr Planet,
    ich konnte in deinen Worten meine eigene Situation als Schülerin wiederfinden. Auch ich hatte einzelne Lehrerinnen und Lehrer, die mir den Spaß am Unterricht genommen habe. Die Vermittlung des Unterrichtsstoffs durch Lehrer kann sehr unterschiedlich sein. Bei dem einem lernt man besser, bei dem anderen nicht. Es ist wie immer im Leben: es kommt auf die Beziehung an.
    Wie schön, dass Cubi eine Verfechterin der Blogfreiheit ist. Jeder darf auf seinem Blog schreiben, was er möchte. Natürlich darf es sachliche (!) Kritik geben. Und niemand ist gezwungen, diesem Blog zu lesen. Mir gefällt dein Schreibstil sehr gut und ich freue mich auf weitere Beiträge. Lass dich nicht verunsichern…
    Viele Grüße
    Carina

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo Carina, danke für deine Worte, ich merke, du hast mich verstanden. Da muss ich nichts mehr hinzufügen. Und da ich auch sachlich geblieben bin, sind alle Kriterien der blogfreiheit erfüllt. Beste Grüße cubi

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  6. Hallo Herr Planet,
    ich bin froh, dass du nun einen reflektierenden Absatz eingefügt hast. Damit ist auch für mich viel nachvollziehbarer, was du deinen Lesern sagen möchtest. Ich wünsche dir, dass du es schaffst, deine Schlussfolgerungen umzusetzen. Ehrlichen Herzens viel Erfolg.

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  7. Lieber Herr Planet,
    ich Ü60 lese deine Blogeinträge immer gerne. Vor allem finde ich es klasse, wie du die Alltagssituationen beschreibst („ich dachte, es bleibt mir erspart“). Das mit deinen eigenen Schulerfahrungen und den Abinoten hat mir total aus dem Herzen gesprochen: Wir, ca 10-12 Ü60-Leute, die wir an einem großen Sonderschulzentrum arbeiten (immer noch mit Freude am Beruf) haben uns mal über unser Abi ausgetauscht und festgestellt, dass wir alle, wirklich alle, einen Abischnitt schlechter als 3 hatten. Auch damals vor 40 Jahren gab es den ersten NC, wir sind gerade noch so reingerutscht, aber ich denke, wenn man erfahren hat, wie es ist, nicht überall gut zu sein und nicht alles sofort zu können, kann man sich vielleicht auch besser in Kinder reinversetzen, die auch nicht alles immer sofort verstehen. In BaWÜ ist der NC auf dem Sonderschullehrerstudium immer noch bei 1,…., ich finde es unmöglich, denn wie du es beschreibst, ist ein gutes ABi keine Voraussetzung für eine/n gute/n Lehrer/in.
    Freue mich auf deine nächsten Beiträge, hoffe, der Kommentar geht durch, kenne mich gar nicht aus, habe noch nie einen Blogkommentar geschrieben. LG Jutta

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    1. Hallo Jutta,
      toll, dass ich auch Ü60 Leser anspreche 🙂 Vielen Dank für dein Kommentar! Er ist angekommen und ich freue mich sehr, dass ich dich zu deinem ersten Blogkommentar gebracht habe 🙂 Weiterhin viel Freude mit meinem Blog!
      LG Herr Planet

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